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Fotografie und Gemeinschaft

11.2. – 25.5.2026

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Neal Slavin, Capitol Wrestling Corporation, Washington, D.C., 1972–75, Kunstpalast, Düsseldorf, © Neal Slavin

Datum

11.2. – 25.5.2026

Ort

» Kunstpalast
  • Eintritt: 13 € / ermäßigt 10 €

  • Kinder / Jugendliche unter 18: frei

  • Mitglieder des Freundeskreises: frei

Die Familie, der Schwimmverein, das politische Kollektiv: Menschen schließen sich seit jeher zu Gemeinschaften zusammen. Doch Gemeinschaft ist per se nicht sichtbar, vielmehr beschreibt sie ein Gefühl, einen Wunsch und eine Behauptung. Gerade deshalb braucht sie Bilder, um verbindlich zu werden.

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Unbekannt, Postkarte mit Festgesellschaft, ca. 1900–1919
Unbekannt, Postkarte mit Festgesellschaft, ca. 1900–1919

Fotografie hält Zugehörigkeit nicht nur fest, sie kann sie ebenso erzeugen, bekräftigen oder infrage stellen. Sie macht sichtbar, dass man Teil von etwas Größerem ist und dient zugleich der Abgrenzung: Wer schafft es in den Bildausschnitt, wer bleibt außen vor? Gerade deshalb braucht sie Bilder, um verbindlich zu werden.

Die Ausstellung beleuchtet dieses spannungsreiche Verhältnis in neun thematischen Kapiteln. Angewandte und künstlerische Fotografie treten dabei bewusst in einen Dialog. Ausgehend von der Sammlung des Kunstpalastes und ergänzt durch wichtige Leihgaben zeigt die 270 Werke umfassende Schau erstmals, wie sich Formen des Zusammenlebens und Formen bildlicher Darstellung wechselseitig beeinflussen. Der Bogen spannt sich von Gruppenporträts des 19. Jahrhunderts bis zu digitalen Bildwelten der Gegenwart. Die Ausstellung, die vom 11. Februar bis 25. Mai 2026 im Kunstpalast zu sehen sein wird, beleuchtet das facettenreiche Verhältnis von Fotografie und Gemeinschaft in Geschichte und Gegenwart.

Neal Slavin, The Star Trek Convention, Star Trek Associates, A Division of Tullerian Enterprises, Inc., Brooklyn, New York, 1972–1975, Kunstpalast, Düsseldorf, © Neal Slavin
Neal Slavin, The Star Trek Convention, Star Trek Associates, A Division of Tullerian Enterprises, Inc., Brooklyn, New York, 1972–1975, Kunstpalast, Düsseldorf, © Neal Slavin

Kaum ein fotografisches Genre eignet sich besser, um Zugehörigkeit zu demonstrieren, als das Gruppenbild. Von der streng komponierten Studioaufnahme des 19. Jahrhunderts bis zum spontanen Group Selfie unterwegs stellen Menschen sich gemeinsam für die Kamera auf. Sie rücken zusammen, ordnen ihre Körper, finden eine Position im Bild. Das gemeinsame Posieren ist ein Ritual, das Verbundenheit ausdrückt. Besonders dann, wenn Fotografien ihren Weg in Alben finden, werden sie zum Anlass, Gemeinschaft zu erzählen, zu erinnern und lebendig zu halten. Historische und zeitgenössische Gruppenporträts belegen: Gemeinschaftliche Fotos spiegeln Beziehungsgefüge nicht nur, sie tragen auch dazu bei, sie zu formen.

Black Archive Germany, Aus dem Familienalbum Adjei Manu, 1999
Black Archive Germany, Aus dem Familienalbum Adjei Manu, 1999

Das Gruppenfoto folgt jedoch meist ungeschriebenen Regeln. Wer steht in der Mitte, wer am Rand? Wer erscheint oben, wer unten, wer fehlt im Bild? Fotografien lassen sich bearbeiten, umdeuten und neu zusammensetzen. Gemeinschaft im Bild kann erweitert, aufgekündigt oder aus dem Nichts erzeugt werden. Wenn am Gruppenfoto „herumgebastelt“ wird, zeigt sich besonders klar, dass Gemeinschaft immer gleichzeitig Einschluss und Ausschluss bedeutet. Eingriffe können emotional, zweckmäßig oder politisch motiviert sein und sie reichen von kaum wahrnehmbar bis deutlich konfrontativ.

Ludwig Schirmer, Ohne Titel, 1950–1960
Ludwig Schirmer, Ohne Titel, 1950–1960

Fotografie kann Menschen in der Menge verschmelzen lassen, sie kann aber auch Einzelne herauslösen und ihnen besondere Sichtbarkeit verleihen. Zoom, Markierungen oder Technologien der Gesichtserkennung lenken den Blick auf Individuen. Oft braucht es ein einzelnes Gesicht, damit sich Vorstellungen von Gemeinschaft verdichten. Indem Massen visuell aufgespalten werden, lassen sich soziale Strukturen untersuchen und vermeintliche Einigkeit hinterfragen. Zugleich kann diese Auswahl der Überwachung dienen und Anonymität aufheben.

Omar Vicor Diop &Lee Shulman, 10, 2023
Omar Vicor Diop &Lee Shulman, 10, 2023

Werden Sie Teil der Ausstellung!

Ein eigener Bereich macht die Idee von Gemeinschaft im Kunstpalast unmittelbar erlebbar und wächst während der gesamten Laufzeit weiter. Düsseldorfer Vereine, Institute, Betriebe und Fanclubs sind dem Aufruf gefolgt und haben sich mit historischen sowie aktuellen Gruppenfotos beteiligt. Die Vielfalt der hier versammelten Gruppen spiegelt die Vielfalt der Düsseldorfer Stadtgesellschaft wider. Mit jeder Einsendung wächst das Bild von Gemeinschaft bis zum Ende der Ausstellungsdauer weiter. Und auch die Besucher*innen sind Teil einer Gemeinschaft, die im Foto-Spot-Setting spontan festgehalten werden kann.

Jetzt mitmachen!
Viktoria Binschtok, Three People on the Phone #4, 2007 (2004)
Viktoria Binschtok, Three People on the Phone #4, 2007 (2004)

In der Ausstellung vertretene Künstler*innen:

Viktoria Binschtok | Marianne Brandt | Cihan Çakmak | Yvon Chabrowski | Omar Victor Diop & Lee Shulman | Bogomir Ecker | Mayara Ferrão | Anke Heelemann | Juliane Herrmann | Alfredo Jaar | Andreas Langfeld | Cate Lartey | Lilly Lulay | Ute & Werner Mahler | Ken Ohara | Heinrich Riebesehl | August Sander | Ramona Schacht | Ernst Schieron | Ludwig Schirmer | Richard Sides | Neal Slavin | Giorgio Sommer | Andrzej Steinbach | Marcel Top | Penelope Umbrico | Clemens von Wedemeyer | Amin Yousefi 

Katalog zur Ausstellung

Hrsg. Linda Conze | 144 S. | 160 farb. Abb. | 23,5 x 28,5 cm | deutsch | Softcover

34,00 €

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